Sobald es draußen wärmer wird, rückt ein Produkt wieder in den Mittelpunkt jeder Einkaufsliste: Grillkohle. Wer im Frühjahr den Grill zum ersten Mal anfeuert, steht vor einer überraschend großen Auswahl – von der günstigen Hausmarke bis zum Premium-Produkt mit Ursprungsgarantie. Jetzt hat die Stiftung Warentest erneut Grillkohle und Grillbriketts unter die Lupe genommen, und das Ergebnis dürfte so manchen Markenanhänger zum Nachdenken bringen.
Eine günstige Eigenmarke des Lebensmitteleinzelhandels belegt im aktuellen Test den zweiten Platz – hinter dem Testsieger, aber noch vor zahlreichen deutlich teureren Konkurrenten. Das zeigt: Beim Grillen entscheidet nicht der Preis über die Qualität, sondern die Zusammensetzung der Kohle, ihre Herkunft und ihre Verarbeitungsqualität. Was genau hinter dem Testergebnis steckt, worauf man beim Kauf achten sollte und warum die Wahl der richtigen Grillkohle auch eine ökologische Frage ist, erfahren Sie hier.
Was die Stiftung Warentest bewertet
Die Stiftung Warentest ist in Deutschland die bekannteste unabhängige Verbraucherorganisation. Ihre Tests folgen standardisierten Laborverfahren: Grillkohle wird dabei auf Heizdauer, Abbrandverhalten, Schadstoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK – krebsverdächtige Verbindungen, die bei unvollständiger Verbrennung entstehen) sowie auf den Gehalt an Schwefel geprüft. Auch die Anheizzeit fließt in die Bewertung ein – ein praktisches Kriterium, das sich direkt auf jeden Grillabend auswirkt.
Darüber hinaus spielt die Nachhaltigkeit eine wachsende Rolle im Bewertungsschema. Herkunft des Holzes, Zertifizierungen wie FSC oder PEFC sowie Transportwege beeinflussen das Gesamtbild. Wer beim Kauf nicht nur auf Leistung, sondern auch auf Umweltverträglichkeit achten möchte, findet in solchen Tests eine verlässliche Orientierung.
Die Überraschung: eigenmarke auf platz zwei
Das aufsehenerregende Ergebnis des aktuellen Tests ist die Platzierung einer Eigenmarke aus dem Einzelhandel auf dem zweiten Rang. Eigenmarken – also Produkte, die Supermärkte oder Discounter unter ihrem eigenen Label verkaufen – galten lange als minderwertige Alternative zu etablierten Marken. Dieses Vorurteil hält dem Vergleich in der Praxis zunehmend nicht mehr stand.
In der Gesamtbewertung überzeugte das Produkt vor allem durch ein niedriges Schadstoffprofil, eine lange Brenndauer und ein gleichmäßiges Abbrandverhalten. Gerade beim Grillen über einen längeren Zeitraum, etwa bei einem Spanferkel oder mehreren Grillgängen hintereinander, ist die Konstanz der Hitze entscheidend. Grillkohle, die früh ausbrennt oder stark funkenbildend ist, erzeugt Stress am Rost und ungleichmäßig gegartes Grillgut.
Der Preisunterschied zum Testsieger ist dabei beträchtlich: Die günstige Eigenmarke kostet je nach Händler und Gebindegröße teils weniger als die Hälfte pro Kilogramm. Für Haushalte, die regelmäßig grillen, summiert sich diese Differenz über eine Saison auf einen spürbaren Betrag.
Grillkohle oder Briketts – was passt zu welchem Einsatz?
Grillkohle (Holzkohle) und Grillbriketts sind grundverschiedene Produkte, auch wenn sie oft zusammen genannt werden. Holzkohle brennt schneller an, erreicht hohe Temperaturen in kurzer Zeit und eignet sich besonders gut für das direkte Grillen von Steaks, Würstchen oder Maiskolben. Die Glutbett bildet sich rasch, kühlt aber auch schneller ab.
Briketts hingegen bestehen meist aus gepresster Holzkohle, Stärke als Bindemittel und manchmal weiteren Zusatzstoffen. Sie brauchen länger zum Anheizen – oft 45 bis 60 Minuten –, liefern dann aber eine deutlich längere und gleichmäßigere Hitze. Für indirektes Grillen, also das langsame Garen mit geschlossenem Deckel, sind sie die bessere Wahl.
Im Stiftung-Warentest-Vergleich werden beide Kategorien separat bewertet. Die Platzierung der Eigenmarke gilt dabei für den Bereich Holzkohle – das Segment, das im privaten Grillalltag am häufigsten zum Einsatz kommt.
Herkunft und Nachhaltigkeit: ein Thema, das bleibt
Ein erheblicher Teil der in Deutschland verkauften Grillkohle stammt aus Ländern wie Nigeria, Paraguay oder der Ukraine. Dort wird Holz teils unter zweifelhaften ökologischen Bedingungen verkohlt – ohne Rücksicht auf Wiederaufforstung oder lokale Ökosysteme. Der Kauf von Grillkohle ohne Zertifizierung kann damit indirekt zur Abholzung tropischer oder borealer Wälder beitragen.
Zertifizierungen wie FSC (Forest Stewardship Council) oder PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification) garantieren, dass das verwendete Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt. Produkte mit diesen Siegeln verdienen bei bewusstem Einkauf besondere Aufmerksamkeit – unabhängig vom Testergebnis allein.
Einige Hersteller setzen zudem auf regionale Rohstoffe: Holzkohle aus deutschen oder österreichischen Wäldern hat kürzere Transportwege und ist in ihrer Herkunft besser nachvollziehbar. Solche Produkte sind meist teurer, aber für umweltbewusste Griller eine kohärente Wahl.
Worauf beim Kauf wirklich zu achten ist
Wer auf der Suche nach der besten Grillkohle für die Saison 2026 ist, sollte folgende Kriterien im Blick behalten:
- Schadstoffgehalt: Produkte mit niedrigem PAK-Wert und geringem Schwefelanteil schützen Gesundheit und Geschmack des Grillguts.
- Brenndauer: Für lange Grillabende oder mehrere Gänge sollte die Kohle mindestens 60 bis 90 Minuten stabile Glut liefern.
- Anheizzeit: Wer nicht gerne wartet, wählt Holzkohle mit schneller Zündung – oft erkennbar an feinerer Stückgröße.
- Herkunft und Zertifizierung: FSC- oder PEFC-Siegel auf der Verpackung sind ein verlässliches Mindestkriterium für nachhaltige Produktion.
- Preis-Leistungs-Verhältnis: Der aktuelle Test belegt, dass ein hoher Preis keine Qualitätsgarantie ist – ein Vergleich lohnt sich.
Der Testsieger und das Gesamtbild
Der Testsieger des aktuellen Stiftung-Warentest-Vergleichs setzte sich durch einen besonders niedrigen Schadstoffgehalt und eine überdurchschnittliche Brenndauer vom Rest des Feldes ab. Er trägt zudem eine anerkannte Nachhaltigkeitszertifizierung und punktet mit einer stabilen, gleichmäßigen Glut. Für ambitionierte Griller, die keine Kompromisse eingehen wollen, bleibt er die erste Wahl.
Die Eigenmarke auf Platz zwei bietet für den alltäglichen Grillabend im Garten oder auf dem Balkon jedoch eine leistungsstarke und deutlich günstigere Alternative. Wer nicht wöchentlich Pulled Pork für zwölf Personen zubereitet, sondern vor allem Würstchen, Gemüse und gelegentlich ein Steak auf den Rost legt, wird den Unterschied kaum spüren.
„Die Qualität der Grillkohle beeinflusst nicht nur die Hitzeentwicklung, sondern auch die Schadstoffbelastung des Grillguts – ein Aspekt, der beim Einkauf häufig unterschätzt wird."
Grillkohle richtig lagern und verwenden
Selbst die beste Grillkohle verliert ihre Eigenschaften, wenn sie falsch gelagert wird. Feuchtigkeit ist der größte Feind: Kohle, die Wasser aufgenommen hat, ist schwerer anzuzünden, qualmt stärker und erzeugt mehr Schadstoffe beim Abbrand. Die Lagerung sollte daher trocken und gut belüftet erfolgen – am besten in einem geschlossenen Behälter oder der Originalverpackung, die dicht verschlossen bleibt.
Beim Anheizen sollte auf Brandbeschleuniger auf Petroleumbasis verzichtet werden. Sie hinterlassen Rückstände, die den Geschmack des Grillguts beeinträchtigen und gesundheitlich bedenklich sind. Kaminanzünder aus Holzwolle oder gepresstem Sägemehl sind die sicherere und geruchsneutralere Wahl.
Fragen rund um Grillkohle und den Stiftung-Warentest-Vergleich
Welche eigenmarke landete beim Stiftung-Warentest auf Platz zwei?
Die genaue Produktbezeichnung und der zugehörige Händler sind dem offiziellen Testheft der Stiftung Warentest zu entnehmen, welches auf test.de gegen eine Gebühr oder im Abonnement verfügbar ist. Da Testergebnisse regelmäßig aktualisiert werden, empfiehlt sich die direkte Recherche dort für die jeweils aktuellste Ausgabe.
Ist teure grillkohle automatisch besser?
Nein. Der aktuelle Vergleich zeigt, dass günstige Eigenmarken in den entscheidenden Kategorien (Schadstoffgehalt, Brenndauer, Anheizverhalten) mit teuren Markenprodukten mithalten oder sie sogar übertreffen können. Der Preis sagt wenig über die Qualität aus. Entscheidend sind die Zusammensetzung, die Verarbeitung und die Herkunft des Holzes.
Worauf deuten starker rauch und funken beim grillen hin?
Starker Rauch kann auf hohe Restfeuchtigkeit in der Kohle, einen zu hohen Schwefelgehalt oder Fremdbeimischungen hinweisen. Starke Funkenbildung entsteht häufig durch Harzreste im Holz oder durch ungleichmäßig produzierte Kohle. Beides sind Hinweise auf ein minderwertiges Produkt – und mögliche Gesundheitsrisiken, da dabei verstärkt Schadstoffe freigesetzt werden können.
Macht es einen unterschied, welches holz für die grillkohle verwendet wird?
Ja, durchaus. Hartholzkohle – aus Buche, Eiche oder Hainbuche – brennt länger und heißer als Weichholzkohle. Sie bildet ein stabileres Glutbett und erzeugt weniger Asche. Viele Qualitätsprodukte geben die Holzart auf der Verpackung an. Mischungen aus verschiedenen Holzarten können die Verbrennung ungleichmäßig machen.
Wie viel grillkohle brauche ich für einen normalen grillabend?
Als Faustregel gilt: Für einen Kugelgrill mit 57 cm Durchmesser und einen Grillabend mit zwei bis drei Gängen rechnet man mit etwa 1,5 bis 2 kg Holzkohle. Bei Briketts kann die Menge geringer ausfallen, da sie länger Wärme abgeben. Bei Wind oder kühlen Temperaturen sollte man etwas mehr einplanen.



